Kreativer Umgang mit Reimen und Versen

Lyrik für Kinder ist nicht altmodisch, sondern ein Bestandteil ihrer Kultur, eine Form von Literatur, die wir ihnen nicht vorenthalten dürfen. Denn was von Erwachsenen allzu schnell als verzichtbar oder wenig zeitgemäß eingestuft wird, ist für Kinder schließlich der Schlüssel zur Welt und zur Sprache. Sprache, Motorik und Sinneswahrnehmung sind voneinander abhängig. Das gibt Anlass, in der Arbeit mit Kindern Reime und Verse einzusetzen. Sie geben mit Rhythmus und Takt eine Struktur vor, an der sich Kinder leicht festhalten können. Der gleich bleibende Sprachrhythmus von Versen und deren stetige Wiederholung gibt Kindern ein sicheres Gefühl.

Verse und Reime mit Bewegungen in Fein- und Grobmotorik können Kinder als Fingerspiele, Abzählverse, Lieder und Rätsel erleben. Die Verbindung von Sprache und Bewegung wirkt sich äußerst positiv und entwicklungsfördernd auf das kindliche Sprachverhalten aus.
Kinder ergänzen Sätze oder suchen nach Wörtern, die sich reimen. So entsteht Neues, bisweilen auch Holpriges oder Eigensinniges. Einer sagt „Berg“, dann kommt der „Zwerg“, dazu der „Lerk“ und der „Ferk“. Der Inhalt ist erst einmal nicht so wichtig. Klangschön und bildhaft funktioniert der Reim auch ohne Logik: Sprachunsinn mit Silben und Lauten – Ele mele mink mank – ist erlaubt und erwünscht, weil er die Lust an der Sprache und am Sprechen weckt.

  • Gedichte kann man sprechen und hören. Kinder bekommen Gedichte vorgelesen und bald sprechen sie das Gehörte und Erlebte mit und können einen Vers selbst wiedergeben.
  • Zu Gedichten wird gemalt. Ihr Vortrag wird mit Klanginstrumenten untermalt.
  • Gedichte kann man in Szene setzen: Man kann zeigen, wie der Regenwurm aus dem Gedicht von Heinz Erhardt am Fuß vom Aussichtsturm hockt und was dann geschieht.
  • Mit jüngeren Kindern kann szenisches Spiel fotografiert werden. Der Text wird groß auf ein Plakat geschrieben, mit Fotos bestückt und anschließend aufgehängt.
  • Mit Hortkindern kann zum Gedicht ein Videoclip aufgenommen werden, der das Besondere des Textes ausdrückt.
  • Die Kinder dichten selbst und nehmen ihre Gedichte mit dem Kassettenrekorder auf.
  • Gedichte werden auf einer kleinen Bühne ausgestellt: Dinge, die darin erwähnt werden, oder die darin vorkommenden Symbole werden auf ein Tuch drapiert, der Text liegt dabei: in einer Dose, auf schönes Papier geschrieben oder in einem Rahmen präsentiert.
  • Gedichte, Reime und Fingerspiele werden fester Bestandteil der Festgestaltung.

Kreativer Umgang mit Sprache ist weit sinnvoller als starre Übungen, die den Wortschatz erweitern. Kinder sind für Melodie und Rhythmus der Sprache so sehr empfänglich, dass sie ein Recht auf ihre Reime haben. Die besondere Aufgabe, sie ihnen zu vermitteln, erweitert auch unseren eigenen Horizont. Beginnen Sie dort, wo Sie Ihre Vorlieben und Interessen haben. Und vielleicht entdecken Sie, dass nicht nur Kinder, sondern auch Sie selbst immer mehr Freude und Spaß an lyrischen Erlebnissen gewinnen.

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Projektvorschläge © Sylvia Näger

Sylvia Näger ist Diplom-Medienpädagogin und lehrt an Hochschulen und Fachhochschulen. Sprach- und Literaturförderung sowie Literacy und Lyrik für Kinder sind Schwerpunkte ihrer Fort- und Ausbildung von Pädagoginnen. Sie ist Autorin pädagogischer Fachbücher, Herausgeberin der Edition Bilderbuchkino und in der Fachzeitschrift Kindergarten heute für die Medienseiten zuständig. Sie lebt in Freiburg im Breisgau

 

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