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Interview mit der Märchenillustratorin Julie Völk

Julie Völk, geboren 1985 in Wien, studierte an der HAW Hamburg Illustration. Ihre Bücher wurden unter anderem mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis, dem Österreichischen Kinderbuchpreis und dem Bologna Ragazzi Award ausgezeichnet. Julie Völk lebt mit ihrer Familie auf einem alten Bauernhof in Niederösterreich.


Für Gerstenberg hat sie die Bilderbücher Das Löwenmädchen, Guten Morgen, kleine Straßenbahn!, Stille Nacht, fröhliche Nacht und Wenn ich in die Schule geh, die erzählenden Kinderbücher Als Nino fast in den Zirkuswagen zog, Vorhang auf für Flip! und Alles wird gut, immer und Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Die schönsten Märchen der Brüder Grimm illustriert.

Haben Märchen Sie schon als Kind begeistert und inspiriert und wie hat sich Ihre Beziehung zu Märchen als Erwachsene, als Künstlerin, vielleicht auch als Mutter verändert?
Als Kind waren Märchen für mich einfach wunderschöne Geschichten, geheimnisvoll und inspirierend in der Art, die Welt zu sehen, oder zu spielen. Später nahm ich Märchen hauptsächlich als abgeschwächte, verkitschte „Prinzessinnengeschichten“ wahr und vergaß sie. Als ich mich wieder mehr mit Literatur beschäftigte, fiel mir auf, dass es so wunderbare, vielfältige, rätselhafte Märchen gibt, die absolut nichts mit den weichgezeichneten, verkürzten Märchen zu tun haben.
Als Mutter verstehe ich gut, dass man beim Vorlesen manche Grausamkeit weglässt. Aber auch diese Grausamkeiten waren es, die mich als Kind faszinierten und beschäftigten, die – in einem Märchen verpackt – zu ertragen sind.

Welches ist Ihr Lieblingsmärchen in Ihrem neuen Märchenbuch „Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat“ und warum?
Das ist schwer zu sagen. „Von dem Fischer un syner Fru“ hat mir besonders gefallen, da ich es nicht in dieser Fassung kannte und mich so über die Sprache und die Charaktere gefreut habe. Da ich größtenteils in Norddeutschland aufgewachsen bin, hat dieses Märchen durch die plattdeutsche Sprache und die Art des Fischers meine Freunde und die Umgebung direkt zu mir an den Arbeitsplatz nach Niederösterreich gebracht.
Aber auch „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ mag ich besonders. Das mochte ich schon als Kind sehr gerne und es kam mir seit Ewigkeiten nicht mehr unter. Es gibt in diesem Märchen zwar auch Gut und Böse, doch die Räuber sind hier die Guten und der Teufel ist zwar böse, aber beschrieben ist er wie ein kleines trotziges Kind, das einem fast leidtun kann. Und am Ende wird der böse König nicht einfach nur plump mit Gewalt bestraft, sondern überlistet.

Eine ganze Märchensammlung zu illustrieren ist eine große Herausforderung, zumal es viele berühmte Vorbilder gibt. Wie sind Sie mit den „Bildern im Kopf“ umgegangen?Ich habe versucht, sie so weit wie möglich wegzuschieben und ganz von neuem in die Märchen einzutauchen. Ich hoffe, es ist mir gelungen.

Wie lange haben Sie an Ihrem Märchenbuch gearbeitet und wie waren die einzelnen Arbeitsschritte?
Intensiv habe ich mindestens 10 Monate daran gearbeitet. Das schwierigste war zuerst, den richtigen Stil und die geeignete Technik für dieses große Projekt zu finden. Bei jedem Projekt versuche ich zuerst, anders zu illustrieren, als ich es bis jetzt gemacht habe. Aber auch hier ist es von der Technik wieder so geworden wie meine anderen Bücher im Gerstenberg Verlag. So kann ich am besten Stimmungen, Gefühle, aber auch kleine Details darstellen und mit den Bildern erzählen. Nach der Stilfindung habe ich mich von Märchen zu Märchen gearbeitet.

Blick ins Atelier: Julie Völk arbeitet an den Illustrationen für ihr Buch „Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat“

Warum haben Sie sich für die Gestaltungsform mit kleinen farbigen Vignetten, großen Szenen und zweifarbigen Vignetten entschieden?
Mir war es wichtig, dass es kein staubiges, klassisches Märchenbuch wird. Mit den roten Vignetten wollte ich etwas Frisches, Auflockerndes hineinbringen, das aber nicht nur schmückendes Gestaltungselement ist, sondern gleichberechtigt neben den großen Bildern steht. Oft sind es die größeren bunten Bilder, die die Stimmung wiedergeben und die kleinen Vignetten sind die erzählenden Bilder.

Welche Illustrationstechniken haben Sie gewählt?
Die roten Vignetten sind mit Pinsel, Feder und Tusche gezeichnet und die farbigen Bilder mit Aquarell, Bleistift, Buntstift und Pastellkreide.

Haben Sie einen Tipp für Kinder, die selbst Märchen illustrieren möchten?
Am besten fängt man mit der Stelle im Märchen an, die am meisten fasziniert, und dann zeichnet man „rundherum“.

Buchtipp

Julie Völk

Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat

Die Künstlerin Julie Völk nimmt uns mit an verwunschene Gewässer, führt uns durch dichte Wälder und wundersame Berglandschaften, sie zeigt uns verzauberte Gärten und lässt uns staunen über...

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Julie Völk

Julie Völk, geb. 1985 in Wien, aufgewachsen in Niedersachsen, studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin (sie erhielt die Serafina, den Troisdorfer Bilderbuchpreis und den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis) lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich. www.julievoelk.de

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