Die erste Umsegelung der Welt vor 500 Jahren

27. April 2021: Magellans 500. Todestag

Volker Mehnert erzählt in seinem Buch "Magellan oder Sternstunden der Seefahrt" wie Ferdinand Magellan im Jahr 1519 mit einer Flotte von fünf Schiffen aufbricht, um zu den legendären Gewürzinseln aufzubrechen. Tim Köhler hat das Buch illustriert.

Volker Mehnert und Tim Köhler im Interview

Herr Mehnert, was hat Sie am Thema Magellan gereizt?

VM: Erstmal natürlich die historische Dimension: Jubiläen haben einfach ihren eigentümlichen Reiz, besonders, wenn es sich um eine so runde Jahreszahl handelt: Vor genau 500 Jahren war Magellan mit seinen Leuten unterwegs ins Ungewisse. Das warf bei mir die Frage auf: Was treibt einen Menschen dazu, sich gegen jede Wahrscheinlichkeit auf die Suche nach einem Seeweg zu machen, der bisher nur in der Fantasie der Leute existiert. Wie ist er dabei vorgegangen, welche Hindernisse standen im Weg? Warum hat es letztlich funktioniert?

 

Was ist aus Ihrer Sicht Magellans größte Leistung?

VM: Vorweg möchte ich festhalten, dass Magellan aus meiner Sicht kein sympathischer Typ war wie vielleicht die Forscher und Entdecker James Cook oder Alexander von Humboldt. Aber man muss einfach anerkennen, dass er ein genialer Seemann war, der nie durch eine Seefahrtschule ging, sondern sich seine Kenntnisse Schritt für Schritt selbst beigebracht hat. Und nur weil er konsequent am Glauben an eine fixe, fast verrückte Idee festhielt, hatte seine Mission am Ende Erfolg.

 

Haben Sie eine besondere Beziehung zur Seefahrt?

VM: Ja, unbedingt. Mein Opa ist noch auf Windjammern um Kap Hoorn gesegelt und hat mich von klein auf mit einer maritimen Sehnsucht infiziert. Als Reisejournalist und Autor von Reiseführern durfte ich dann später immer wieder an zahlreichen Küsten oder auf hoher See unterwegs sein. Viele dieser Fahrten gehören zu meinen schönsten Reiseerlebnissen.

 

Der Illustrator Tim Köhler unternahm eine Recherchereise nach Spanien, um die Orte in Augenschein zu nehmen, von denen aus Magellan seine große Fahrt antrat. Haben auch Sie auf Ihren vielen Reisen Orte besucht, an denen Magellan war?

VM: Sicher. Ich war im Hafen von Lissabon, wo der junge Magellan seine ersten Schiffe bestieg. In Sevilla, wo er später seine Armada ausrüsten ließ. In Sanlúcar de Barrameda, von wo aus seine Armada in See stach und wohin der klägliche Rest seiner Mannschaft nach der ersten Weltumseglung der Geschichte wieder zurückkehrte. Außerdem auch am Seeweg um Südamerika, den Magellan 1520 entdeckte und durchfuhr. Was mir noch fehlt, sind die Gewürzinseln der Molukken, also Magellans eigentliches Ziel, das er selbst nicht mehr betreten konnte, das aber von seiner Mannschaft erreicht wurde.

 

Was war für Sie die besondere Herausforderung dieses Buches?

VM: Ich wollte Magellans Geschichte und sein Leben erzählen, ohne ihn als großen Helden darzustellen, also seine zweifelsfreien Leistungen immer wieder mit seiner menschlichen Härte und Sturheit konfrontieren. Außerdem sollte seine ruhmreiche Entdeckungsfahrt nicht alleine stehen, sondern eingebettet werden in die Geschichte anderer berühmter Seeleute und Seefahrten. So ist dann parallel auch eine Chronik über die „Sternstunden der Seefahrt“ herausgekommen.

 

Herr Köhler, wie haben Sie sich dem Thema Magellan angenähert und welche Illustrationstechnik haben Sie gewählt?

TK: Zuerst habe ich natürlich das Manuskript gelesen und nebenbei in Skizzenform erste Ideen notiert. Die letztendlichen Zeichnungen habe ich mit Bleistift gezeichnet. Für einen klassischen Look habe ich alles mit harten Linien dargestellt und auf die Verwendung von weichen Bleistift-Schraffuren verzichtet. Nach dem Scannen ziehe ich den Kontrast immer etwas hoch, so dass die Linien richtig schwarz sind wie von einer Tuschefeder gezeichnet. Danach koloriere ich das Bild in Photoshop auf einer unter der Zeichnung liegenden Ebene. Dabei arbeite ich etwas lockerer und auch mit weichen Farbverläufen, um einen Kontrast zur Zeichnung zu erzeugen. Für die Farbpalette ließ ich mich inspirieren von der "Golden Age of Illustration"-Ära und Bildern aus dem Spätmittelalter.

 

Welche Zielgruppe hatten Sie beide beim Schreiben und Illustrieren im Blick?

VM: Am Anfang wohl einfach solche abenteuerlustigen Jungs, wie ich mal einer war. Aber bei den Recherchen und beim Schreiben habe ich gemerkt, wie viel Neues ich selber ständig erfahren habe. Und da ist mir klar geworden, dass es ein Buch sein wird für Kinder und Jugendliche, die spannende Abenteuergeschichten mögen, die dabei aber auch gern etwas lernen wollen. Und der einzige Erwachsene werde ich wohl auch nicht bleiben, der mit diesem Buch viel Neues rund um Magellan, die spanischen Entdeckungen und die Seefahrt überhaupt erfahren hat. 

TK: Ich möchte mich nicht auf eine Alters- oder Zielgruppe beschränken. Die Bilder sollen Betrachter zum "Träumen“ einladen und gedanklich in fantasievollen Welten jenseits des Alltags verweilen lassen. So wie die Märchenbücher, die ich als Kind hatte und die damals auch meine Fantasie angeregt haben.

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